lecture SoSe 2018 (Archiv)

Die atopos:lecture soll kritischen Bildungswissenschaftler*innen und ihrer aktuellen Forschung eine Bühne geben.

lecture no.1 – Universität, Bildung, Kritik. Auf welche Weise die Jugend verderben?

Prof. Alex Demirovic

HU-Hauptgebäude 1072

19. April 2018, 19 Uhr

In den letzten zwanzig Jahren wurden die Universitäten mit vielen und vor allem gravierenden Änderungen konfrontiert: dem allgemeinen gesellschaftlichen Wandel, ihrer tiefgreifenden Umstrukturierung im Bologna-Prozess und dem drastischen Anstieg der Studienanfänger*innenquote von zirka 30% auf über 55%. Was bedeutet das für die Institution Universität? Welche Funktion kommt ihr heute zu? Welches Wissen und welche Haltungen vermittelt sie? Und erfasst der Begriff ‚Bildung‘ noch, was an ihr geschieht? Bereitet sie auf die Probleme und Herausforderungen vor, denen sich die Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten stellen muss? Was ist die Aufgabe einer kritischen Bildungspraxis? Beschreibt die sokratische Methode des ‚Versuchs, die Jugend zu ruinieren’, sie tatsächlich am besten?

Alex Demirović‘ Vortrag wird sich diesen Fragen aus der Perspektive der Kritischen Theorie zuwenden und sowohl beschreiben, was die Universität heute ist, was sie leistet und welche Bedeutung sie hat, als auch die Möglichkeiten der Kritik der Universität und des Bildungsbegriffs aufzeigen.

Alex Demirović ist Apl. Professor an der Goethe-Universität, Frankfurt a. M., Senior Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Vorsitzender ihres wissenschaftlichen Beirats sowie Redakteur der Zeitschriften Prokla und LuXemburg. Er arbeitet zu kritischer Gesellschaftstheorie und materialistischer Staats- und Demokratietheorie.

lecture no.2 – Kritik und Bildung. Hochschulen in populistischen Zeiten.

Prof. Maria do Mar Castro Varela

HU-Hauptgebäude 2097

14. Mai 2018, 19.00 Uhr

Gemäß einer liberalen Vorstellung von Hochschule sollte Kritik im Mittelpunkt wissenschaftlicher Praxis stehen. Wie aber ist eine kritische Praxis in einer Institution möglich, die hierarchisch strukturiert ist und einer ökonomischen Logik folgt? Wer produziert Wissen und wer wird an die Ränder der Institution verbannt, um von dort aus zu sprechen?

Maria do Mar Castro Varelas Vortrag wird das Konzept der ‚Kritik‘ betrachten und die Herausforderungen thematisieren, mit denen die Institution Hochschule im Zeitalter

von Globalisierung, zunehmendem Populismus und Anti-Intellektualismus konfrontiert ist. Dabei werden sowohl humanistische Bildungsvorstellungen als auch hegemoniale Wissensproduktionen unter die Lupe genommen.

Prof. Dr. Maria do Mar Castro Varela ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Postcolonial Studies, Kritische Migrations- und Rassismusforschung und Critical Education. Sie leitet unter anderem das bildungslab* in Berlin.

lecture no. 3 – Der Maulwurf mit der Flaschenpost an der Universität. Theorie zwischen Ratio und Rationalisierung.

Prof. Christine Kirchhoff

HU-Hauptgebäude 2097

19. Juni 2018, 20.00 Uhr

Was passiert, wenn die kritische Theorie statt der Revolution, wie Adorno es von Marx sagte, allerhöchstens noch ein neues Drittmittelprojekt um die nächste Straßenecke liegen sieht? Wenn Kritik vor allem zum Distinktionsgewinn gegenüber Konkurrent*innen im Kampf um die nächste befristete Stelle eingesetzt wird? Wenn kritisches Denken nicht auf eine allgemeine Veränderung aus ist, sondern auf einen Lehrstuhl?

Christine Kirchhoffs Vortrag wird die Bedingungen kritischen Denkens und kritischer Wissenschaft an den Universitäten zu Beginn des 21. Jahrhunderts beleuchten und daran anschließend das Verhältnis von Wunsch, Ratio und Rationalisierung, die Aufgabe kritischer Theorie und ihr Verhältnis zur Praxis thematisieren.

Prof. Dr. phil. Christine Kirchhoff ist Professorin für Theoretische Psychoanalyse, Subjekt- und Kulturtheorie an der International Psychoanalytic University Berlin (IPU) und in fortgeschrittener Ausbildung zur Psychoanalytikerin am Berliner Psychoanalytischen Institut. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Psychoanalytische Kulturtheorie, Kritische Theorie und Psychoanalyse der Prokrastination.