Lecture

Die atopos lecture soll kritischen Wissenschaftler*innen und ihrer aktuellen Forschung eine Bühne geben. Die ersten drei lectures fanden im Sommersemester 2018 statt. In der Vorlesungsreihe im Wintersemester 18/19 wird es drei Vorträge geben, die sich dieses mal dem spezifischen Charakter und den sich verändernden Bedingungen von Arbeit an der Universität und in der Wissenschaft widmen.

lecture no. 4 – Akademisches Prekariat 1.0: Der Privatdozent

Anita Traninger (Vortrag und Diskussion)
HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, , Hörsaal 2097
29. November 2018, 19Uhr

Als man zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Berlin die Habilitation als akademische Qualifikation und damit die Position des Privatdozenten erfand, insistierte die begleitende Rhetorik auf der Kontinuität mit der ehrwürdigen mittelalterlichen Tradition der Universität. Doch in der Tat erfand man damit nichts weniger als das akademische Prekariat. In ihrem Vortrag zeigt Anita Traninger, welche subkutanen Vorstellungen, Mythen und Phantasmata dieses Konzept unterfüttern. Ziel der historischen Rekonstruktion ist es zu reflektieren, wer in welcher Weise von diesem institutionellen Arrangement profitiert und woraus sich seine erstaunliche Beharrungskraft speist.

Anita Traninger ist Professorin für Romanische Philologie mit dem Schwerpunkt Rhetorik an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet u.a. zu transkulturellen Verflechtungen in der europäischen Literatur- und Wissensgeschichte; zu Geschichte, Theorie und Praxis der Rhetorik; sowie zum Verhältnis von Institution und Geschlecht.

Facebook-Veranstaltung

lecture no. 5 – Prekarisierung und Geschlecht. (K)ein Thema in der Wissenschaft?

Gisela Notz (Vortrag und Diskussion)
HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, Hörsaal 2097
14. Januar 2019, 19 Uhr

Immer noch ist nur ein verschwindender Anteil der gut dotierten dauerhaften Universitäts- und Hochschulprofessuren von Frauen besetzt. In den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist die Situation nicht viel anders. Je höher die Positionen, desto dünner wird die Luft. Geheime Ausschlussverfahren und gläserne Decken scheinen Frauen auf bestimmten Positionen festzuhalten und von höheren Positionen fernzuhalten. Dadurch fehlen in der Wissenschaft weibliche Identifikationsfiguren. Gleichzeitig ist in Deutschland jedes vierte Arbeitsverhältnis prekär. Das betrifft zwar Männer und Frauen, aber es sind Frauen, die in (fast) allen Bereichen die meisten prekären Arbeitsverhältnisse innehaben (kurzfristige, unsichere Beschäftigung und geringe Bezahlung). Für Frauen waren kollektiv geregelte ‚Normalarbeitsverhältnisse‘ nie die Regel. Das gilt es zu ändern.

Dr. Gisela Notz ist Historikerin und Sozialwissenschaftlerin. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf bezahlt und unbezahlt geleisteter (Frauen)arbeit, Arbeitsmarkt-, Familien- und Sozialpolitik, Alternativer Ökonomie und historischer Frauenforschung.

Facebook-Veranstaltung

lecture no. 6 – Zwischen Exzellenz und Prekariat – Über Widerstand im Mittelbau

Peter Ullrich (Vortrag und Diskussion)
HU-Hauptgebäude, Unter den Linden 6, Hörsaal 2097
31. Januar 2019, 19 Uhr

Arbeit in der Wissenschaft gilt vielen Studierenden, Absolvent*innen und Doktorand*innen immer noch als Traumberuf. Dass die Realität etwas anders aussieht, hat sich zwischenzeitlich allerdings auch schon herumgesprochen: Insbesondere im so genannten akademischen Mittelbau ist mehrdimensionale Prekarität eher die Regel als die Ausnahme, denn “die Akademie” bietet real nur einer Minderheit der Wissenschaftler*innen eine langristig existenzsichernde Perspektive. Doch obwohl im Wissenschaftsbetrieb traditionell Vereinzelung und Konkurrenz die Arbeitssubjektivitäten prägen, regen sich inzwischen Kritik und Widerstand gegen den Status Quo. Dabei geht es um nicht weniger als um einen grundlegenden Umbau des Wissenschaftssystems.

Peter Ullrich, Dr. phil. Dr. rer. med., Soziologe/Kulturwissenschaftler, Mitgründer des Netzwerks für Gute Arbeit in der Wissenschaft, Ko-Leiter des Forschungsbereichs “Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte” am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin, außerdem Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung und im Institut für Protest- und Bewegungsforschung.